– In- und Exkasso

Zukunftstrend: Alternative Zahlmethoden in der Versicherungsbranche

Warum vielfältige Zahlungssysteme zahlreiche Kundinnen und Kunden sowie Versicherer erfreuen dürften

– Abstract

Es ist kein Geheimnis: Die Deutschen lieben Bargeld

Auch wenn bargeldlose, digitale oder gar mobile Zahlmethoden hier zu Lande auf dem Vormarsch sind, boomen alternative Pendants. Diese sind gleichermaßen digital, obwohl sie mit Bargeld arbeiten. Sie punkten beispielsweise, wenn Verbraucher Solvenz-Lücken auf dem Konto ausbalancieren müssen. So bieten immer mehr Versicherungen und Krankenkassen an, rückständige Beiträge oder Versicherungspolicen anonym und ohne weitere Gebühren an einer Discounter- oder Drogeriemarkt-Kasse zu bezahlen. Alles, was man etwa an der Rewe-Theke, bei Penny, Rossmann, Budnikowski oder dm-drogerie dazu braucht, ist ein Barcode à la Barzahlen.de/viacash.

Warum diese Entwicklung für Versicherungen bedeutend ist, diskutieren Claudia Buder, Managerin bei IKOR Assurance, und Janusz Buttgereit, Director Sales, Insurance, Housing & Telecommunication Business, bei viafintech. Mit dem Produkt Barzahlen/viacash zählt das FinTech zu den Stars unter den Anbietern alternativer Zahlmethoden. Innovation gibt es somit auch mit Bargeld, das übrigens noch immer das einzig gesetzliche Zahlungsmittel in Deutschland ist.

– Interview

Über die Experten

Claudia Buder ist Managerin bei IKOR Assurance

Janusz Buttgereit arbeitet als Director Sales, Insurance, Housing & Telecommunication Business bei viafintech

– Digitaler Wandel

Kundenpräferenzen wirken sich nicht nur auf Zahlverfahren aus

„Digitale Transformation, Datenschutz, innovative Zahlungsmethoden – das Versicherungswesen muss sehr viele Hürden auf einmal nehmen“

Die klassischen Zahlverfahren sind Überweisung, Lastschrift oder Kreditkartenzahlung. Was ändert sich gerade?

Claudia Buder: Wir befinden uns mitten in der digitalen Transformation, erleben den Wandel in Finanzsektor, Versicherungswirtschaft und auch bei uns selbst. Meine Eltern kennen noch Schecks; ich selbst habe noch nie einen genutzt. Es wird normaler, mit dem Smartphone zu zahlen – über Paypal, Klarna und so weiter. Zusätzlich findet ein Generationswechsel statt, mit technisch versierten und Social-Media-affinen Menschen.

Die Covid-19-Pandemie führt dazu, dass auch in Deutschland vermehrt digitale Zahlverfahren zum Einsatz kommen. Dennoch zeigt das Produkt Barzahlen/viacash, dass Bargeld mitnichten abgeschrieben ist – ganz im Gegenteil, oder?

Janusz Buttgereit (lacht): So ist es. Unser Produkt Barzahlen/viacash haben wir 2013 eingeführt. Es war vom ersten Augenblick an erfolgreich, denn es ermöglicht Ein- und Auszahlungen von Bargeld per Barcode an der Ladenkasse. Im deutschsprachigen Raum haben wir mit unserem Produkt noch immer ein Alleinstellungsmerkmal. In Europa stellen wir mit mehr als 20.000 Einzelhandelsfilialen eines der größten bankenunabhängigen Netzwerke für Ein- und Auszahlungen. Unsere alternative Zahlmethode ist ein Gewinn für unterschiedliche Branchen wie Telekommunikation, On- und Offline-Handel, Banken und natürlich Versicherungen. 

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Claudia Buder arbeitet als Managerin im Functional Consulting mit Schwerpunkt Subledger Accounting im IKOR-Dock Assurance.

„Bis vor kurzem haben Versicherungen, etwa für Beitragserstattungen, Schecks verschickt; hier gibt es jedoch kostengünstigere und innovative Möglichkeiten.“

Was ist das Besondere?

Buttgereit: Die Zahlungslösung ist nicht kontenbasiert. Das bietet Kundinnen und Kunden, deren Konto nicht ausreichend gedeckt oder das sogar gesperrt ist, einen Riesenvorteil – und zwar mit Blick auf In- und Exkasso-Prozesse.

Können Sie uns das erklären?

Buttgereit: Gern. Die klassischen Zahlverfahren mit Lastschrift und Überweisung funktionieren nicht mehr, wenn das Konto überzogen, nicht gedeckt oder zeitweilig gepfändet ist und damit eine Zahlungsstörung aufweist. Was passiert, wenn eine Versicherungskundin oder ein Versicherungskunde beispielsweise die Police für den wichtigen Kfz-Versicherungseitrag nicht über das eigene Konto begleichen kann? Dann gefährdet die Zahlungsstörung den Versicherungsschutz.

Janusz Buttgereit, Director Sales, Insurance, Housing & Telecommunication Business, viafintech

„Viele Versicherer denken zu wenig daran, wie sie solvente Kundinnen und Kunden mit einem hohen Kundenwert behalten können.“

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Wie kommt hier Barzahlen/viacash ins Spiel?

Buttgereit: Mit unserem Produkt geben wir Kundinnen und Kunden die Möglichkeit, kontenunabhängig zu agieren und den Versicherungsbeitrag zu zahlen. Sei es, weil die Person noch Bargeld zu Hause liegen hat. Oder weil eine weitere Person zahlt … Denn andere Möglichkeiten, etwa Kreditkartenzahlung, Mobile Payment oder Online-Banking sind immer kontenbasiert. Beim Zugriff darauf würde das Verbindlichkeitsproblem also von rechts nach links verschoben. Ebenso gibt es hier keine Zahlungsanonymität, anders als bei unserem Produkt.

Buder: Im Mahnwesen geht es aus Versicherungssicht jedoch immer um eine Abwägung. Versicherungen möchten Kundinnen und Kunden behalten. Wenn diese bei Zahlungen jedoch dauerhaft säumig sind – beziehungsweise überhaupt nicht mehr zahlen und/oder bei Zahlungsschwierigkeiten auch nicht in den Kontakt mit ihrer Versicherung treten –, drohen im schlimmsten Fall sogar weitreichende Konsequenzen. Etwa die Stilllegung des Pkw durch das Kraftfahrt-Bundesamt, wenn eine Kfz-Haftpflichtversicherung nicht bezahlt wurde.

Buttgereit: Versicherungen sollten bei alternativen Zahlmethoden stärker differenzieren. Viele denken zu wenig daran, wie sie solvente Kundinnen und Kunden mit einem hohen Kundenwert behalten können. Hier geht es nicht allein um das Mahnwesen, um In- und Exkasso, sondern auch um Angebote für Cross- und Upselling. Dazu gehören auch alternative Zahlungsarten jenseits der klassischen Modelle.

Buder: Bestandserhaltung gilt immer mehr als Erfolgsfaktor, auch im Inkasso. Liegen Inkassostörfälle vor, zeigt sich das an unterschiedlichen Mahnverfahren. Außerdem kann man mit Barzahlen/viacash nicht nur Geld einzahlen, sondern auch auszahlen. Das ist besonders interessant für die Schadenbearbeitung – vorausgesetzt, es handelt sich um eine überschaubare Summe. Noch bis vor etwa zwei Jahren haben Versicherungen auch für kleinere Beträge, etwa für Beitragserstattungen, Schecks verschickt. Hier gibt es kostengünstigere und innovative Möglichkeiten.

Buttgereit: Stimmt. Die Bargeldauszahlungsmöglichkeit hat für unsere Kundinnen und Kunden einen ebenso hohen Stellenwert wie die Einzahlung. Vor allem in ländlichen Gebieten, wo es ein großes Bankenfilialsterben gibt, ist es von großem Vorteil, Forderungen an der Supermarktkasse zu begleichen oder sich dort das Geld auszahlen zu lassen. Dafür setzen wir einen 13-stelligen Barcode ein, wie er flächendeckend überall im Einzelhandel genutzt wird. Wir hätten uns auch für den QR-Code als zentrales Transaktionsmedium entscheiden können. Wir haben uns aber für den Einsatz von Barcodes entschieden, da wir auf eine sowohl im Einzelhandel etablierte als auch bei den Kundinnen und Kunden bekannte Technik aufsetzen konnten. Es ist eben einfacher und bekannter, einen Barcode zu scannen als einen QR-Code – insbesondere wenn es darum geht, in die Kassen-Software von Einzelhändlern integriert zu werden und dafür die dort vorhandene Hardware zu nutzen.

Wie einfach ist es, alternative Zahldienste, insbesondere in Versicherungsunternehmen, neu einzuführen?

Buder: Ganz so einfach ist das nicht. Unabhängig von rechtlichen und BaFin-Bestimmungen, also Regeln der Bundesanstalt für Finanzdienstaufsicht, kostet die Einführung von alternativen und innovativen Zahlmethoden Geld. Mit Blick auf ein mögliches Angebot müssen zuvor definierte Use Cases aufgesetzt werden. Mit Fragen wie: „Was wollen Sie erreichen? Welche Zielgruppen sollen angesprochen werden? Wo liegt der Fokus? Wie sehen die Rahmenverträge aus?“ Mein Rat lautet vor allem: Holen Sie mehrere Angebote ein und vergleichen Sie. 

Frau Buder, eingangs haben Sie den digitalen Wandel erwähnt und wie wichtig verlässliche Parameter und Partner bei der Einführung alternativer Zahlmethoden sind …

Buder: Hierfür müssen die technischen Systeme vorhanden sein. Es findet ein kompletter Systemumbau statt – auch hinsichtlich bestehender Hardware und Software. Letztere muss neu integriert oder gar abgeschafft werden.

Seit mehr als fünfzehn Jahren steht die Branche unter einem enormen Transformationsdruck. Dieser verlangt weitaus mehr Investitionen als die bereits genannte Hard- und Software-Umstellung. Investiert werden muss in Know-how, neue Geschäftsmodelle und -prozesse und in eine sich wandelnde Arbeits- und Unternehmenskultur. Diese betrifft Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Vertriebspartnerinnen und Vertriebspartner sowie veränderte Kundenansprüche. All das kostet viel Geld, das sich Unternehmen erst einmal leisten müssen.

Heißt das, dass wir es mit einem sehr großen Ressourcen- und Finanzdruck zu tun haben?

Buder: Ja. Denn neben dem digitalen Wandel sieht sich die gesamte Versicherungsbranche einer weiteren großen Herausforderung gegenüber: dem Datenschutz. Seit Mai 2018 müssen Unternehmen die Europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) umgesetzt haben. Das haben bei weitem noch nicht alle geschafft. Nehmen Versicherungen indes auch diese Hürde, wird sich deren Segment immer stärker mit alternativen Zahlmethoden beschäftigen – mit noch mehr Digitalisierung und innovativen Versicherungsprodukten. Diese Produkte lassen sich verstärkt digital verkaufen. Es ist also viel in Bewegung. Hinsichtlich alternativer Zahlmethoden wird es künftig noch mehr Bewegung geben. Das Bargeld wird dabei weiterhin eine Rolle spielen. Nicht nur in Deutschland. 

- Im Spannungsfeld

Cash an der Kasse – versus digitale Zahlmethoden

Das Produkt Barzahlen/viacash veranschaulicht, dass es Innovation auch rund um Bargeld gibt. Zumal die dahinterliegenden Prozesse rein digital sind. Allerdings ist das Zahlen ohne Bargeld fast überall auf dem Vormarsch. Immer öfter setzten Dienstleister und Kunden auf alternative, digitale Zahlungssysteme. So hat beispielsweise Schweden vor, bis 2030 im gesamten Land das Bargeld abzuschaffen. Jede Transaktion soll nur noch digital stattfinden. In China gilt das Sprichwort, Bares sei Wahres, als Relikt aus alten Tagen. Viele Länder Afrikas nutzen mobile Zahlsysteme. In Deutschland beschleunigt die Covid-19-Pandemie die Nutzung alternativer Zahlmethoden.

Obgleich der Euro in Münzen und Scheinen das einzige gesetzliche Zahlungsmittel in Deutschland ist und die Deutschen für ihre Bargeldtreue bekannt sind, ist Cash in Corona-Zeiten oft nicht mehr gern gesehen. Diese Entwicklung beschleunigt die Akzeptanz und die Nutzung alternativer Zahlmethoden. Immer mehr Payment-Systeme stehen am Markt in den Startlöchern: Bezahlen mit Wearables, Voice Commerce oder auch die Zahlung mit dem QR-Code. Im Probeeinsatz ist zudem das Blockchain-gestützte Zahlen etwa von Parkgebühren.

Die Frage wird auf lange Sicht nicht lauten, welches Zahlungsmittel sich durchsetzt. Es wird eine Vielfalt von akzeptieren Zahlungsmöglichkeiten geben, die gesetzlich legitimiert sein müssen. Dem Bargeld wird es sicherlich nicht so schnell an den Kragen gehen. Es gilt als Wertaufbewahrungsmittel und wird auch von der Bundesbank als solches genutzt. Zumal Cash im Unterschied zu digitalen Zahlarten auch bei Systemausfällen infolge von Hackerangriffen, Stromausfall oder einem kaputten Magnetstreifen funktioniert. Oder, wenn Rechnungen jenseits des Kontos zu begleichen sind. Dennoch denkt die Europäische Zentralbank (EZB) gerade, mit Blick auf China, über die Einführung eines digitalen Euro nach. Bis dahin bleibt Cash auch Cash.

Ansprechpartner

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Claudia Buder

Managerin
Dock Assurance
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Janusz Buttgereit

Director Sales
viafintech
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Sandra Goetz

Freie Journalistin
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